SchrittfürSchritt
Obstgehölze werden geschnitten, um den Fruchtertrag zu steigern, Ziergehölze und Rosen werden geschnitten, um die Blüte zu fördern, Immergrüne, zum Beispiel Buchsbäume, bringt man mit regelmäßigem Schnitt "in Form".
Übrigens, jährlich werden in Deutschland über 2,5 Millionen Gartenscheren verkauft - eine erstaunlich hohe Zahl, bedenkt man, dass eine gute Gartenschere etliche Jahre hält. Aber das Schneiden beginnt nicht erst im privaten Garten - von der Vermehrung über die Anzucht bis zur verkaufsfähigen Qualität hat jede Pflanze in der Baumschule regelmäßig die Schere oder das Messer erfahren!
Gewusst wie!
Im Gegensatz zum Haareschneiden geht es beim Pflanzenrückschnitt nicht vorrangig um die Längenregulierung, sondern um die Beeinflussung des Wuchsverhaltens. Grundsätzlich wachsen Pflanzen in die Höhe - zum Licht - wobei in der Regel die oberste Triebspitze durch pflanzeneigene Mechanismen gefördert wird. Pflanzenphysiologen nennen dieses Prinzip Apikaldominanz.
Wenn nun der Mitteltrieb im Wind bricht, von einem Tier abgefressen oder abgeschnitten wird, werden sogenannte "schlafende Augen", das sind seitliche Knospen, zum Austrieb angeregt und die oberste übernimmt wieder die Führungsrolle.
Bei strauchartig wachsenden Pflanzen, zum Beispiel Buchsbäumen, bewirkt der regelmäßige Schnitt eine starke Verzweigung und einen dichten Wuchs. So ist es möglich, diesen Pflanzen unterschiedliche Formen zu geben - eine Kunst, die schon in der Antike beherrscht wurde und die die Gärtner in der Renaissance und im Barock weiter verfeinert haben.
Mindestens zwei Aspekte sind dabei für die Wundheilung wichtig: Schnittzeitpunkt und -technik. Je kleiner die Schnittwunde ist, umso schneller verheilt sie. Das spricht für regelmäßigen Schnitt von noch jungen Trieben. Je früher und je gezielter die Schere ansetzt wird, umso besser kann die Pflanze den Verlust wieder ausgleichen.
Dort kommt außerdem noch die "unterirdische" Dimension dazu: Durch regelmäßigen Wurzelschnitt wird sichergestellt, dass die Pflanzen ein kompaktes und leistungsfähiges Wurzelwerk ausbilden, mit dem sie später im Garten schnell und sicher anwachsen. Generell gilt: Nur mit sorgfältigem Schnitt und darauf abgestimmten Kulturmaßnahmen wie Bewässern, Düngen, Stäben etc. werden die Qualitätspflanzen erzeugt, die man als Gartenbesitzer erwartet.
Die richtige Zeit
Um Bäume und Gehölze richtig schneiden zu können, muss man wissen, welches Wuchs- und Blühverhalten eine Pflanze hat. Zum Beispiel werden Ziersträucher, die im Frühjahr blühen, wie Winterjasmin, Forsythie oder Osterschneeball, erst nach der Blüte geschnitten, Sommerblühende dagegen am besten im Frühjahr vor der Blüte. Einige Gehölze werden oft und stark geschnitten - dort gilt die Regel „Viel Schnitt, viel Wuchs" - andere dürfen dagegen nur sehr zurückhaltend geschnitten werden. Denn: Große Schnittwunden bieten Schädlingen und Krankheiten eine Angriffsfläche.
Quelle: BdB






